Ihr könnt die Konspirativen KüchenKonzerte auf keinem eurer TV-Kanäle finden? Oder habt sie gar verpasst? Keine Sorge, wir servieren sogar ins Netz, ihr könnt alle Folgen ort- und zeitsouverän nachschauen.
Und wer seine Augäpfel lieber mit YouTube und Co. füttert, der findet die entsprechenden Links rechts nebenan. Klickt euch satt!
Um meinem Studierendendasein für ein paar Minuten zu entkommen, verlor ich mich eines Tages in den Weiten des Internets. Nicht rekonstruierbar sind die Wege, die ich beschritt, um letztlich eine Seite zu öffnen, die mein bereits verebbtes Interesse wieder zum Leben erweckte. Konzerte? Was zu essen? Und auch noch konspirativ? Das ist doch was für mich!
Nachdem ich also konspirativ im Wörterbuch nachgeschlagen hatte, fühlte ich mich gewappnet für den Angriff. Eine E-Mail musste her: förmlich-zwingend, aber jung und lethargisch sollte sie daherkommen. Ich wollte ein Praktikum.
Es muss der Abschnitt mit dem Schweinebraten gewesen sein, der den Chefkoch letztlich von mir überzeugte. Unprätentiös ließ er mir seine Handynummer zukommen und nachdem wir gut zwanzig Minuten telefoniert hatten, packte ich Hals über Kopf meine – eher acht als sieben – Sachen und fuhr 400 Kilometer gen Norden. Da sitze ich nun. Und falls ich grad keine Blogs darüber schreibe, dass es mich gibt, bin ich Online-Redaktion, Bürochef oder Bastellehrling. Vor Allem aber stolzer Praktikant (a.k.a. Die Küchen-Minna, Küchenmuffel betrachten bitte das Bild) des Konspirativen Kulturkollektivs. Und dass ich im Oktober wieder zurück in die Marburger Provinz muss, stört mich übrigens kaum. Irgendwann wird Marco in Rente gehen und dann, ich weiß es, wird das alles mir gehören…
Am weiten Fernsehhorizont vermissten wir einst bildende Kunst und coole Bands. Und nachdem wir so getan haben als hätten wir Ahnung vom Fernsehen, nominierte man uns nicht nur für den Grimme-Preis, man sagte uns mit dem Sophie Medienpreis auch verantwortungsvollen Journalismus nach. Darauf wird sich natürlich nicht ausgeruht ! Die Invasion schreitet planmäßig voran und so haben wir uns heimlich, still und leise an das illustre Filmvölkchen des Studio Hamburgs angepirscht. Wo Hauptmann Köpenick das Rathaus besetzte, besetzen wir nun die obere Etage der GyulaTrebitsch Villa auf dem Studio Hamburg Gelände und denken uns im Haus der jungen Produzenten viele weitere schöne KüchenKonzerte aus. 18 lange Monate dürfen wir im Rahmen dieses Stipendiums auf dem geschichtsträchtigen Gelände weiterhin die Fernsehlandschaft unterwandern und mit preußischer Disziplin unser konspiratives Imperium voranbringen. Wir schließen Wilhelmsburg ganz tief in unser Herz ein, um es dann bei den nächsten KüchenKonzerten umso lauter klopfen zu hören. Gedreht wird natürlich nach wie vor auf der Flußinsel!
Dieses Dockville gehört uns, dachte sich die Küche und buk kurzerhand an die 700 Zitronentaler, Brownies sowie Marzipan- und Gewürzplätzchen. So zogen wir inklusive Praktikant aus, um unser Lieblingsfestival kurzerhand zum Backville zu ernennen und die Kekse unter das tanzwütige Volk zu bringen. Sowohl am Eingang als auch auf dem Zeltplatz bekamen Genussinteressierte die Münder gestopft. Zwischen „Ist da Hasch drin?“ und „Wieviel muss ich spenden?“ gab es viele Reaktionen. Nur über Komplimente für Keks und Kleber und die glücklichen Gesichter haben wir uns noch mehr gefreut. Zumal auf dem Campingplatz schon am Samstagmorgen der Lebensmittelnotstand ausgebrochen zu sein schien, so wie uns die Kekse aus den Händen gefuttert wurden.
Auf dem Festivalgelände schienen nur die Piroggen ähnlich viel Anklang gefunden zu haben als unsere Backwerke. Am Sonntag fuhren wir alle müde aber selig nach Hause, nachdem sich der Regenvorhang – leider vor dem letzten Auftritt – geschlossen hat. Vorher wurden wir von den Vögeln begeistert, von den Damen und Herren bei State I massiert, von HGich.T verwirrt und von der hochträchtigen Gustav verärgert. Letzteres trifft eigentlich nur auf das unsägliche Rage against the Machine-Cover zu… naja, Schwangere essen ja auch saure Gurken mit Schlagsahne (denkt sich die Musikredakteurin).
…brodelt es vor sich hin und keiner weiß eigentlich so genau, was da drinnen ist bzw. wie die Küche im aufgeräumten Zustand aussieht. Wenn die Töpfe in den Regalen stehen. Wenn die Küchenhelfer mal nicht arbeiten müssen. Wenn die Zitronenpresse in der Sonne liegt. Und wenn der Koch aufs Dach klettert. Wie bitte? Na ja, seht selbst: Für das Baking Of der Konspirativen KüchenKonzerte ist sich der Maître de Cuisine eben für Nichts zu schade.
Wer also immer noch nicht weiß, woher die Idee zur Sendung kam und was so ein Fernsehteam alles machen muss, damit das Publikum artgerecht mit Musik, Kunst und anderen Leckereien verköstigt werden kann, der sollte sich unbedingt folgendes Video anschauen:
Jahrelang existiert man so vor sich hin, denkt an nichts Schlimmes und plötzlich macht es Klick. Die Zeit steht für einige Sekunden still und vor dem geistigen Auge schwebt der Schriftzug “Ich lebe!” wie ein schlechter Bildschirmschoner durch die Gegend.
auf die schnelle noch eine fischfrikadelle?ESTUAR & JAKOBUS SIEBELS http://bit.ly/8XxDV1 waren im juli bei den Konspirativen KüchenKonzerten #01.09.2010