Heißer Scheiß live serviert: Konspirative Küchenkonzerte!

Michaela Melián

Glatt, rau, digital, analog, kurzweilig – Die Konspirativen Küchenkonzerte und die Künstlerin Michaela Melián haben einiges gemeinsam.
Michaela Melián ist ein künstlerisches Hybrid. Sie arbeitet als Künstlerin zu „flüchtigen Formen der Produktion: Musik, Audio, Radio. Sound, die verwehen, versenden sich. Wandbilder, die nach Ablauf der Ausstellung übermalt werden. Installationen, die nur dann da sind, wenn sie aufgebaut werden, danach sind sie wieder weg." (Michaela Melián). Sie ist Professorin für Zeitbezogene Medien an der HfbK Hamburg und Mitbegründerin der Band F.S.K. (Freiwillige Selbstkontrolle).
Melian schafft Rückbezüge zwischen Digitalem und Analogem, sowohl in der Wahl ihrer Instrumente, als auch in der Mehrdimensionalität des Raumbegriffs ihrer Werke. Alte, fast vergessene Medien werden mit Neuem kombiniert: Sie zweckentfremdet Plattenspieler, Nähmaschine oder Diaprojektor - näht und programmiert.
Die Werke Meliáns haben viele Fußnoten, ihre Methodik ist bis in den kleinsten Teilaspekt reflektiert, das Werk riesig, ihr Arbeitspensum enorm. Exemplarisch wirkt, dass Melián den ihrer Online-Arbeit „Memory Loops“ (2010) zugrunde liegenden Stadtplan Münchens von Hand und unter einem enormen Zeitaufwand auf ein Format von mehreren Quadratmetern übertragen hat, um ihn anschließend einzuscannen. Memory Loops ist ein Internet-Denkmal, das in Form einer Audiocollage Opfern wie Tätern des Nationalsozialismus eine neue Stimme verleiht. Das Erinnern kommt ohne in Stein gemeißeltes Denkmal aus. Auf der Website jeweils in Form eines blauen Ringes auf den Stadtplan markiert, liegen die Stimmen wie ein verworrenes Gebilde über der Stadt.
www.memoryloops.net