Heißer Scheiß live serviert: Konspirative Küchenkonzerte!

Unsere Welt ist eine Scheibe

Wer kennt es nicht das Problem: Man will ganz gemütlich mit seinem Haus- und Hofmusikanten CDs von „Gastro-Pop-Show“-Gästen auf einem prolligen Getthoblaster hören, türkischen Tee trinken und dabei unbekannten Raumpionieren (gerne mit Migrationshintergrund) beim Flanieren zusehen, findet aber keinen Platz, wo sich all diese Dinge vereinbaren lassen. Chefkoch Marco hat eine Lösung gefunden und die da lautet „Pause“.

Also nicht die Pause im eigentlichen Sinne, sondern die legendäre Imbissbude am Stübenplatz, Hotspot der „neuen Schanze“ (sozusagen das „Schmitt Foxy Food“ Willytowns). Genau hier wird den oben genannten Leidenschaften gefrönt, was Kamerakind Fabian mithilfe seiner DSLR-Kamera für die Ewigkeit festhält – der konspirative Küchenkenner nennt das Ergebnis einen „Plattenteller“. Die Musik spielt aber eigentlich nur eine untergeordnete Rolle bei diesem Aufeinandertreffen der wandelnden Lexika, da angeregt durch die stets überraschenden und doch tiefsinnigen Ein- und Ausdrücke des studierten Ägyptologen, Stadtwanderes und Lebenskünstlers FX Schröder das Public Listening im Handumdrehen zum philosophischen Duett avanciert. Locker lässig werden die Musik Scooters mit Kartoffelbrei, Messing und Rock'n'Roll verglichen und Wortschöpfungen wie „morgendliche Verbal-Amokläufer“ oder „konvulsivieren“ kreiert, während im Hintergrund auf der anderen Seite des Imbissbudenfensters das pralle und alltägliche Leben in Form des Wilhelmsburger Wochenmarkts die hochgestochenen Diskussionen der beiden Musik- und Kaffeegenießer kontrastiert.

Was ich eigentlich sagen will: Schauen! Schmunzeln! Staunen! Und wer sich dann allen Ernstes fragen sollte, ob es solche Plattenteller nun wirklich braucht, der hat sich entweder von der immergleichen Kleidung der Protagonisten abschrecken lassen (die sie ruhig mal hätten wechseln können, um zumindest den Schein zu wahren, dass die Filmchen an unterschiedlichen Tagen gedreht worden sind) oder er hat einfach nicht verstanden, warum es so wichtig ist, herauszustellen, dass das Gemüseorchester nicht auf Obst spielt und Wien eigentlich in Harlem ist.

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